Man kennt ja seine kritischen Stellen auf dem täglichen Weg. Eigentlich ist die Stelle kritisch, weil ich im Normalfall auf den Gegenverkehr achten müssen, bevor ich linksseitig fahrend über die Fahrbahn auf die normale Fahrspur wechsle. Heute war es nicht der Gegenverkehr, sondern ausnahmsweise der Gegenverkehr des Gegenverkehrs. ;-)
Also auf der Hälfte der Fahrbahn zwischen Straßenbahngleisschiene drei und vier bei geringer Geschwindigkeit dahintuckern, bis alle AUtos vorbei sind. Wohlwissend, dass bei diesem Dauerregen alles glitschig ist und ein Slickfahrradreifen überhaupt gar nicht dazu taugt, Straßenbahngleise zu überfahren, war mir ein versuchter 90Grad-Winkel sicher genug.
Denkste! Hat mich schön seitlich wegschmieren lassen und wenn es mich zerlegt hätte, hätte ich wohl nicht mal meckern können. Aber es blieb beim "Schreck lass nach."
Und dann waren da noch diese versuchten Sammelgedanken an die erschreckend häufigen Situationen aus der letzten Woche, als sie mich vom Rad holen wollten. Ich wollte sie mir alle merken, ist aber nicht gelungen. Vielleicht auch besser so. Muss da an meine Antwort auf "Kann dieses Kreuzfahrtschiff untergehen?" denken: "Da ist es wahrscheinlicher, dass mich beim Radeln jemand überfährt."
Einmal saust eine Tante für ihre 180Grad-Wendung eben mal ein ganzes Stück auf den Radweg, sodass ich wirklich fast runter vom Rad muss. Schaut mich an, keine Reaktion. Wenigstens der Beifahrer hebt entschuldigend die Hand. Einmal sogar noch heftiger, da musste ich wirklich runter vom Rad. Aber nach diesen "Ereignissen" im Kopf suchend, toppt kurz nach meiner Schleuderaktion die nächste Ampel. Endlich wieder mal den Berg runterrauschend auf die grüne Ampel hineilend. Ich sehe schon, dass der vor mir sich über die Kreuzung lüftende Verkehr den entgegenkommenden Linksabbiegern freie Fahrt gibt. Und natürlich hängt sich Nummer Zwei in den Strudel von Nummer Eins, rechnen wohl alle damit, dass Radfahrer nicht auch mal schnell unterwegs sein können. Das Abbiegen des zweiten ist gelinde gesagt eine Unverschämtheit, kommt einem bewussten Abschussversuche nahe. Die 369. oder 389. Alte Sau aus Nürnberg war es. Kurz überlege ich noch eine Anzeige. Verwerfe das Ganze aber gleich wieder wegen des Aufwands.